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König Zeiger

Nachfolgender Text entstand im Zuge eines Schreibwerkstatt-Seminars im Dezember 2010/Januar 2011 unter der Aufgabenstellung „Zorngedicht“. Thematik ist der Zeit- und Leistungsdruck unserer Gesellschaft.  Auch wenn die Aufgabenstellung dies nicht verlangte, so zeigt die letzte Strophe doch, was mit Wut und Zorn meist geschieht, wenn die Ratio nach kurzer Entmachtung durch die Emotionen die Herrschaft wieder übernimmt.

Magensäfte brodeln lautstark,
eine Hand zur Faust sich ballt.
Emotionen kochen über
und ein Schrei wie Donner hallt.

Menschlichkeit die nur noch wimmert,
erdrückt von falschem Leistungswahn
Geist der nicht mehr Freigeist sein darf,
so was kotzt mich wirklich an.

Unter König Zeigers Herrschaft
war ich viel zu lange Knecht.
Zorn lässt vorwärts mich marschieren.
Heut‘ verschaffe ich mir Recht.

Der Hass wetzt sorgsam seine Messer
Die Wut pflanzt Bajonette auf.
Morgen ist die Welt verändert
König Zeiger lauf lauf lauf

Mit einem Schrei marschiert der Zorn
und läuft doch letztlich an die Wand
Die Wut verraucht, die Luft riecht bitter
es bleibt gesalz’nes Seelenland

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Der Füllfederhalter

Dieser Text ist in Form eines Sonetts verfast und war ebenfalls eine Aufgabe im Zuge meines Studiums im Seminar „Schreibwerkstatt. Das er sich nicht reimt war Teil der Aufgabe. Die Entstehung war – sofern ich mich recht erinnere – im November 2010.

Aus goldnem Mund lässt er tiefschwarz Wörter, Sätze fliesen
und durch dunkle Fenster sich in die Seele blicken.
Darin sieht man nur Schwärze wogen
und die Tropfen stehen für Seiten voll Gedanken.

Edles Grün wie Marmor spiegelnd und mattes Schwarz –
so gewandet überdauert er Generationen.
Wird vererbt und spricht mit des Vaters, dann mit des Sohnes Stimme.
Wie edle Geisteshaltung kommt er nicht aus der Mode

Fast scheint es, wenn er zornig spricht,
dass die Schlieren sich erregen
und Ruhe finden abermals, wenn Liebe sie bewegt.

Und wenn er seine Arbeit hat verrichtet, nimmt er seinen Hut zur Hand.
Schwarzer Zylinder mit goldenem Band
Verschließt nun seinen goldenen Mund und lässt ihn schweigen.


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