Monatsarchiv: Oktober 2011

Skizze: Büchercafe

Projekt Büchercafé

Beschreibung:

Das Büchercafé ist eine feste Einrichtung die in zwei – dreiwöchigem Turnus stattfindet und tatsächlichen Café-Charakter hat. Neben Tee, Kakao (evtl. Kaffee) und Gebäck, das für die Teilnehmer vorbereitet ist, sorgt vor allem auch passende Dekoration für den Anschein eines Cafés. Während der Zeit in der das Projekts stattfindet werden Bücher und Texte besprochen oder ihre Themen diskutiert.

Nach der Überwindung von Startschwierigkeiten sollte es den Teilnehmern zu bestimmten Terminen erlaubt sein Freund mit zu bringen.

Auch das gründen von Unter-AGs, wie eine Schreibwerkstatt, eine Eltern-Kinder-Büchercafé ist denkbar.

Ziele:

  • Steigerung des Leseverstehens:

    Die Teilnehmer sollen lernen Informationen aus zunehmend komplexeren Texten zu entnehmen. Die Angst vor komplexeren Texten soll abgebaut werden.

  • Steigerung der kommunikativen Fähigkeiten:

    Durch Besprechung der von den Teilnehmern gelesenen Texte, soll die Kommunikation in Gruppen trainiert werden. Das Einhalten von Gesprächsregeln soll als normales Kommunikationsverhalten angenommen werden. Die Verwendung richtiger Grammatik in der gesprochenen Sprache ist ein weiteres – jedoch langfristiges – Ziel.

  • Erweiterung des Wortschatzes:

    Die Teilnehmer sollen sowohl ihren produktiven, als auch ihren rezeptiven Wortschatz erweitern.

  • Erhöhung des Sprachkenntnisniveaus:

    Langfristig sollen Schüler die das Büchercafé über mehrere Jahre besucht haben auf ein Sprachniveau vergleichbar dem europäischen C1 – C2 gebracht werden.

     

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In eigenen Worten

In eigenen Worten

Kreatives Schreiben mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund

HAUSARBEIT

AN DER

HOCHSCHULE REGENSBURG

Fakultät angewandte Sozialwissenschaften

Aufgabensteller: Prof. Dr. phil. Philipp Anderson

Vorgelegt von
Sebastian Brenner
Matrikelnummer: XXXXXX
Semester: 1. Fachsemester

Regensburg, den 22.12.10

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

3

1

Am Anfang war das Wort. Die Rolle der Sprache

4

1.1. Kreatives Schreiben und kreatives Denken

5

1.2. Kreatives Schreiben als Eigentherapie

5

2

Worten einen Rahmen geben.

5

2.1. Der geschützte Raum

6

2.2. Horror vacui – Die Angst vor der Leere

6

3

An die Stifte, fertig, los…!

Praktische Anwendungsbeispiele für eine Schreibwerkstatt mit jungen Menschen mit Migrationshintergrund

7

3.1. Eigen-Definition

7

3.2. Du & Ich & Sie

8

3.3. Bilder auf meiner Zunge

8

4

Kreatives Weiter-Schreiben

9

5

Literaturverzeichnis

11

6

Ehrenwörtliche Erklärung

12

Vorwort

Als ich mit der Recherche für mein Thema begann, musste ich feststellen, dass es nahezu keine Fachliteratur gibt die sich mit kreativem Schreiben mit Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigt. Vielleicht ist die Erkenntnis kreatives Schreiben als möglichen Weg der Identitätsfindung und Förderung persönlicher Entwicklung zu aktzeptieren noch zu jung. Vielleicht sind junge Migranten und ihre ersten literarischen Schritte auch von zu geringem allgemeinen Interesse. Wie dem auch sei, meine ersten Bibliotheksbesuche blieben nahezu ergebnislos.

Auch wenn ein Vorwort in einer Hausarbeit diesen Umfangs nicht unbedingt zum Standard gehört, sogar eher ungewöhnlich ist, scheint es mir der rechte Weg, mich bei Phyllis Kiehl und Professor Christian Zürner für ihre Unterstützung zu bedanken. Herr Zürner hatte durch sein Seminar „Schreibwerkstatt“ nicht nur großen Einfluss auf die Themenwahl gehabt, sondern vermittelte mir auch die entscheidenden Kontakte. Der wichtigste hierbei war der Kontakt nach Frankfurt zur Crespa-Foundation, der mich zu Frau Phyllis Kiehl führte, die nicht nur Zeit, sondern wahrscheinlich auch jede Menge Nerven opferte um jede meiner Fragen rund um die Thematik „Kreatives Schreiben mit jungen Menschen mit Migrationshintergrund“ zu beantworten. Sie hat mit ihren Erfahrungen, Aussagen und Ideen maßgeblich die Entstehung der Arbeit beeinflusste. Auch wenn Fachliteratur für mein Thema spärlich gesät ist, so hatte ich doch die Möglichkeit mit einer Fachfrau zu sprechen und Informationen aus wirklich erster Hand zu erhalten.

Dafür meinen herzlichen Dank.

1. „Am Anfang war das Wort…“1 Die Rolle der Sprache

Studien der FAZ und des deutschen Handelsblattes von 1974 und 1976 besagen, dass der durchschnittliche westdeutsche Bürger damals pro Jahr ca. 5,4 Millionen Worte im Rund-, bzw. Hörfunk hörte und und ca. 3,5 Millionen Worte in Zeitungen und Zeitschriften lass.2 Heute haben sich die Möglichkeiten zum Wortkonsum mit E-Mail, SMS, Internet, Webblogs und Podcasts noch erweitert. „Nichts hat die Sprache im Zeitalter der Computer […] eingebüßt von ihrem überragenden Rang.“3 Um so bedeutungsvoller und ausgeprägter sollten die sprachlichen Fähigkeiten der Bevölkerung sein, da das im Internet geschriebene ja oft von einer breiten Öffentlichkeit gelesen werden kann. Doch um die Sprache ist es eher schlecht bestellt. „Die Lesekraft schwindet, das Schreibvermögen geht zurück, die Redefähigkeit verkümmert“4 und das vielleicht gerade wegen SMS und Co. Wer sich beim Mitteilen von Informationen auf 160 Zeichen beschränkt (SMS), kann seine Empfindungen dabei aufgrund des Platzmangels oft nur noch über Emoticons5 ausdrücken. In die Sprache der Jugend sind Chatabkürzungen wie LOL6 oder WTF7 längst als feste Ausdrücke verankert. Standardisierte Ausdrücke für die persönliche Befindlichkeit, die im Gegensatz zur individuellen Persönlichkeit und der persönlichen Entwicklung junger Menschen stehen. Es entstehen Archetypen anstatt Persönlichkeiten. Die Möglichkeiten des differenzierten Ausdruckes von Empfindungen und persönlichen Emotionen bleiben hier auf der Strecke. Doch gerade diese Fähigkeit wäre so wichtig für junge Menschen und ist für eine sinnvolle persönliche Entwicklung unabdingbar: Sagen was man denkt und das in einer Form, die von anderen verstanden und nachvollzogen werden kann. Zum eigenen Leben, der eigenen Person und den eigenen persönlichen Problemen und Wünschen Stellung beziehen.

1.1 Kreatives Schreiben und kreatives Denken

Wer nicht geradeaus schreiben kann – kann der gerade aus denken? Und wer nicht geradeaus denken kann – wozu ist der imstande?8 Diese Frage lässt sich auch analog auf das kreative Schreiben übertragen. Wer beim Schreiben stets an Formatvorlagen hängt und nicht imstande ist seine Sprache außerhalb gefestigter Formate zu nutzen, kann der kreativ denken? Eigene Lösungen für Problemstellungen entwickeln?

Ja, aber es fällt deutlich schwerer. Dies zumindest ist eine Erkenntnis die Frau Phyllis Kiehl während ihrer nun über 10-jährigen Praxis gewinnen konnte. Dies sei aber kein Problem des Unvermögens, sondern meistens ein Problem des mangelnden Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten.

Somit ist bei kreativen Schreibkursen mit jungen Menschen mit Migrationshintergrund das konkrete literarische Ergebnis nur ein vordergründiges Ziel. Bedeutender aber ist die persönliche Entwicklung die durch den kreativen Schaffensprozess angestoßen wird und das aus dem neuen sprachlichen Selbstverständnis entstehende Selbstbewusstsein. Dies ist das eigentliche Ziel und macht kreative Schreibkurse zu einer für viele Menschen so so wertvollen Erfahrung. Und diese Erkenntnis ist nicht neu. Bereits 18. Jahrhundert sagte Georg Christop Lichtenberg:

Zur Aufweckung des in jedem Menschen schlafenden Systems ist das Schreiben vortrefflich, und jeder, der je geschrieben hat, wird gefunden haben, dass schreiben immer etwas erweckt, was man vorher nicht deutlich erkannte“9

Phyllis Kiehl nennt diesen Prozess Selbstermächtigung. Durch das neue Selbstverständnis und das neu gewonnene Selbstbewusstsein sind die Jugendlichen erstmals in der Lage aktiv ihr Leben positiv zu gestalten.

2. Worten einen Rahmen geben

Mit das größte Problem bei kreativen Schreibkursen mit jungen Menschen mit Migrationshintergrund ist es die Kursteilnehmer zu den ersten Schritten zu motivieren. Laut Frau Kiehl halten die Kursteilnehmer sehr an den gelernten und geübten Konzepten aus dem Deutschunterricht fest. Aufgabenstellungen würden nahezu von allen Teilnehmern inhaltlich und formal bearbeitet. Die Schule hat ihre festen Formate in den Kopf der Teilnehmer betoniert und auch „… der Phantasie werden Ketten angelegt. Zunehmend werden wir aufgefordert, uns im Bereich des realistischen, des Möglichen zu bewegen. Angesichts einer solchen Einschränkung verlieren wir […] die Lust uns auszudrücken. Wir bekommen Angst, etwas falsches zu sagen oder zu schreiben.“10 Zudem haben die meisten Kursteilnehmer ein fassadenhafte „Außenpersönlichkeit“ entwickelt. Die Angst etwas falsch zu machen, blockiert die richtigen Schritte.

2.1 Der geschützte Raum

Um die Mauern im Kopf der Teilnehmer einzureisen muss als erstes ein sicherer Rahmen, ein geschützter Raum geschaffen werden. Frau Kiehl erreicht dies in ihren Kursen unter anderem dadurch, dass das im Kurs erarbeitete auch im Kurs bleibt. Das Wissen darum, dass die ersten literarischen Gehversuche weder unter Dozenten und Referenten noch unter anderen Kursteilnehmern Gesprächsstoff darstellen, ist ein erster Schritt den geschützten und sicheren Raum für die Kursteilnehmer zu schaffen. Zudem ist es wichtig, dass die Kursteilnehmer Vertrauen zum Dozenten, bzw. Kursleiter entwickeln. Nur dann werden sich die Kursteilnehmer entsprechend öffnen und ihre relevanten Probleme zu Papier bringen und dies kreativ bearbeiten.

2.2 Horror vacui – Die Angst vor der Leere

Der sichere Rahmen bewahrt einen aber nicht vor dem weißen Blatt. Der erste Satz, die ersten Worte sind für die Kursteilnehmer die schwersten. Zudem sie ja auch noch die gewohnten Formate des Schreibens verlassen sollen und gezielt kreatives neuland für sich erschließen sollen. „Die Angst vor dem weißen Papier betrifft […] nicht nur Schriftsteller, sondern auch andere Künstler. Maler nennen das Phänomen Horror vacui, die Angst vor der Leere. Auch sie haben sich Methoden angeeignet, um diese Angst zu überwinden. Sie malen bespielsweise zunächst nur Farben und Formen, schmieren nach Lust und Laune und beginnen mit dem eigentlichen Bild erst später. Man kann das als Warm-up verstehen.“11

Ein solches Warm-up könnte laut Frau Kiehl zum Beispiel die Aufgabe „Ein Handtuch bewirbt sich für den deutschen Bundestag. Warum sollten wir es wählen?“ sein. Die Unsinnigkeit der Aufgabenstellung lässt kaum ein Denken in bekannten Bahnen zu. Ein richtig oder falsch kann es inhaltlich hier nicht geben. Es fällt schwer ein klassischen Argumentationsprinzip, wie wir es in der Schule gelernt haben anzuwenden. Warm-ups dieser Art sind unerlässlich. Schreibspiele und Fingerübungen sind dem hintergründigen Ziel eiees Schreibkurses (Selbstverständnis erzeugen, Selbstbewusstsein schaffen, Selbstermächtigung fördern) oft zuträglicher als ein langwierig erstelltes Gedicht, von dem man selbst nicht überzeugt ist.

3. An die Stifte, fertig, los…!

Schreibspiele und Fingerübungen gibt es in großen Mengen. Für die unterschiedlichsten Altersgruppen werden Bücher mit Vorschlägen und Ideen angeboten. Es ist jedoch immer die Aufgabe des Kursleiters die Aufgabe gemäß seiner Zielgruppe zu modifizieren oder eigene Übungen passend zur Zielgruppe zu entwickeln. Im folgenden werden drei Übungen vorgestellt, die in einer Schreibgruppe mit jungen Menschen mit Migrationshintergrund denkbar sind und speziell dahingehend bearbeitet wurden im besonderen die Probleme von jungen Menschen mit Migrationshintergrund aufgreifen zu können

3.1. Eigen-Definition

Nicht jeder hat das selbe Verständnis von einem Begriff. Kultureller Hintergrund, Erziehung, persönliche Erfahrungen und Vorlieben sind nur einige Faktoren die unser persönliches Begriffsverständnis beeinflussen. Oftmals verwenden wir Begriffe auch ohne uns über ihre Bedeutung und die möglicherweise andere Definition unseres Umfeldes Gedanken zu machen.

Die Schreibübung „Eigen-Definition“ zwingt uns, uns über unsere Definition eines Wortes Gedanken zu machen. Was verbinden wir persönlich mit einem Begriff. Die Ergebnisse können in der Gruppe diskutiert werden.

Vorbereitung:

Am linken Rand eines Blattes wird vertikal ein Wort notiert. Das Wort wird entsprechend der sprachlichen Fähigkeiten, dem Alter, bzw dem Entwicklungsstand und dem Bildungsstand der Kursteilnehmer gewählt. Für Schulanfänger sind Worte wie Wasser, Sonne, Schule oder Freunde geeignet. Ältere Kursteilnehmer kann man durchaus fordern mit Worten wie Glaubenskrise, Liebeskummer oder Partnerschaft.

Wichtig ist, dass das Wort so notiert wird, dass nach jedem Buchstaben der selbe Abstand zum nächsten Buchstaben vorhanden ist und das Wort über die ganze Seitenlänge geschrieben ist.

Es ist folgende Varianten denkbar:

  • Jeder Teilnehmer erhält ein eigenes Wort.

  • Es sind 2 oder mehrere Worte mehrfach vorhanden, so das immer mehrere Teilnehmer das selbe Wort bearbeiten. Es entstehen damit Wort-/Arbeitsgruppen.

  • Es wird das selbe Wort von allen Teilnehmern bearbeitet.

Anleitung:

Der Arbeitsauftrag ist das vertikal geschriebene Wort zu definieren. Zuläßig sind sowohl kurze Sätze als auch Schlagworte oder Synonyme. Wichtig ist, das der erste Buchstabe der Selbst geschriebenen Definition, jeweils durch einen Buchstaben des vertikal geschriebenen Wortes vorgegeben wird. Wichtig ist, das die Aufgabe von den Teilnehmern eigenständig bearbeitet wird.

Beispiel:

W

armes Bad im Winter

A

lpamare

S

ommer & Sonne

S

trandurlaub

E

rholung

R

espekt, denn wenn wir im Wasser leben sollten, hätten wir Flossen

3.2. Du & Ich & Sie

Gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund sind oft kulturell zerrissen. Sie stehen zwischen den Erwartungen die von zuhause an sie gestellt werden und denen der Gesellschaft, bzw. ihres Sozialen Umfeldes. Die folgende Schreibübung soll helfen diese Spannungen zu verbalisieren und ins Bewusstsein zu rücken. Die Übung ist nicht für Anfänger geeignet bzw. muss für diese stark modifiziert werden. Die Ergebnisse können später als Grundlage für ein Gedicht verwendet werden. Ähnlich wie in Bertolt Brechts „Was Kinder gesagt bekommen“12

Vorbereitung:

Pro Teilnehmer werden drei Blätter benötigt. Diese erhalten die Überschriften „DU“, „ICH“ und „SIE“ bzw zweimal die Überschrift DU. Jeder Teilnehmer sollte über mehrere Buntstifte (Holzstifte oder dünne Textmarker) verfügen. Mit diesen werden die Überschriften in unterschiedlichen Farben unterstrichen.

Anleitung

Die Teilnehmer sammeln nun Regeln, Verbote und Anforderungen die ihr Leben beeinflussen. Dabei stellt jedes Blatt eine andere Seite dar. „Ich“ sind die eigenen Wünsche und Anforderungen. Z.B. „Ich will Lehrer werden“, „Ich möchte einen guten Schulabschluss und studieren“ oder „Ich möchte einen Partner der mich liebt und unterstützt“. Die anderen beiden Blätter können Familie, Beruf, Freund e.t.c.darstellen. Mögliche

Erst wenn die Listen erstellt sind, verraten sie den neuen Arbeitsauftrag. Auf der „ICH“-Liste werden nun alle Wünsche und Ziele durchgestrichen, die im Widerspruch zu einer auf den „DU“- bzw. „SIE“-Listen genannten Regeln oder Ansprüchen stehen.

Als letzter und abschließender Teil wird nun ein Text montiert bei dem möglichst viele der gesammelten Aussagen verwendet werden sollen.

Bilder auf meiner Zunge (nach einer Anregung von Phylllis Kiehl)

Wenn wir interessante Bilder zu einer Kollage zusammen stellen sollen, so wählen wir meist Dinge aus die uns ansprechen, zu denen wir persönlichen Bezug haben oder die uns besonders schockieren, die wir besonders abstoßend finden. Diese Bilder stellen für uns eine ästhetische Erfahrung dar und sind bestens geeignet um von uns schriftlich verarbeitet zu werden.

Vorbereitung:

Die Teilnehmer sammeln über einen Längeren Zeitraum Bilder die sie ansprechen. Zugelassen ist ALLES. Vom Zeitbild eines Wohnungsgroßbrandes über die Fotos geliebter Verwandter bis hin zu erotischen Fotos. Die Bilder werden in einer Sammelbox gesammelt, so dass nicht klar ist wer welches Bild ausgewählt hat. Wenn genügend Bilder vorhanden sind, kann mit der Fingerübung begonnen werden. Durch das Sammeln in der Sammelbox könne vom Kursleiter zusätzliche Bilder in die Collage einfließen um spezielle oder besonders provokante Inhalte mit vertreten zu haben

Anleitung

Die Bilderbox wird auf einen Tisch entleert. Die Kursteilnehmer erstellen nun aus allen Schnipseln, Bildern und Fotos eine gemeinsame große Collage.

Variante 1:

Nun lässt jeder einzelne Teilnehmer die Collage auf sich wirken und erstellt eine Wortliste (ähnlich einem Brainstorming). Der Folgeauftrag ist die Erstellung eines Textes, der möglichst alle Worte der Liste enthält.

Variante 2:

Nun lässt jeder einzelne Teilnehmer die Collage auf sich wirken und erstellt einen Text in Form eines Bewusstseinsstroms.

4. Kreatives Weiter-Schreiben

Was kommt nach der Schreibwerkstatt. Eine spezielle redaktionell betreute Plattform für junge Autoren und Schreibende mit Migrationshintergrund gibt es nicht. Im Gespräch mit Frau Kiehl wurde mir sehr schnell die Notwendigkeit einer solchen Plattform klar.

Wir haben jungen Menschen die Hand gereicht und sie erste Schritte auf einem Weg der kreativen Entwicklung, sowohl persönlicher als auch praktischer Natur, gehen lassen. Und nun? Nun stehen sie ohne die gereichte Hand und den geschützten Raum da. Die Verlockung zu den gewohnten Mustern zurück zu kehren ist groß. Aber wir wollen ja keine Heerscharen von Dichtern erschaffen sondern jungen Menschen Selbstbewusstsein geben und ihnen kreative Denkstrukturen aufzeigen. Auch wenn wir dies wahrscheinlich geschafft haben, so wäre der Erfolg ungleich beständiger und größer, wenn es eine Anlaufstelle nach der Schreibwerkstatt geben würde. Eine die redaktionell betreut ist und die jungen Schreibenden weiter betreut.

Die Notwendigkeit eines solchen Projektes steht außer Frage und vielleicht kann ein solches Projekt auch in naher Zukunft verwirklicht werden, wenn Integration und Migration immer mehr als wichtiger Themenkomplex erkannt wird. Vielleicht sogar als Bachelor-Abschlussarbeit.

Quellenverzeichnis

Literarische Quellen

Heimes Silke, Schreib es dir von der Seele, Vandenhoeck &Ruprecht, Göttingen, 2010

Liebnau Ulrich, EigenSinn, Verlag Moritz Diesterweg, Frankfurt, 1999

Schneider, Wolf, Deutsch für Kenner – Die neue Stilkunde, Piper Verlag, München, 1996

Schneider, Wolf, Wörter machen Leute – Magie und Macht der Sprache, Piper Verlag, München, 1986

Waldmann Günter, Produktiver Umgang mit Lyrik, Schneider Verlag, Hohengehren, 2001

Watzlawick Paul et alt., Menschliche Kommunikation – Formen Störungen Paradoxien, Verlag Hans Huber, Bern, 1669

Aufsätze, Zeitschriften, PDF-Dateien

Deutsches Jugendinstitut e.V., Bulletin 76, München online abrufbar unter http://www.dji.de/bibs/DJIB_76.pdf

Internetquellen

Statistischen Bundesamt: http://www.destatis.de

Zusätzliche Quellen

Als zusätzliche Quelle diente ein zweistündiges Interview mit Frau Phyllis Kiehl. Frau Kiehl führt seit über 10 Jahren Schreibwerkstätten und Kurse für kreatives Schreiben mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund durch. Aufgrund technischer Schwierigkeiten war die Aufzeichnung des Interviews leider unbrauchbar. Frau Kiehl wird daher von mir nur indirekt im Text zitiert.

 Zitate und  Anmerkungen

1Johannes 1,1 Bibel (EÜ)

2Schneider Wolf, Wörter machen Leute, Piper-Verlag, München 1986, Seite 360

3Schneider Wolf, Deutsch für Kenner – Die neue Stilkunde, Piper-Verlag, München 1996 Seite 10

4Schneider Wolf, Deutsch für Kenner – Die neue Stilkunde, Piper-Verlag, München 1996 Seite 11

5Emoticon, Wortschöpfung aus den Bestandteilen Emotion und Icon. Bezeichnet eine Zeichenfolge

aus normalen Satzzeichen die einen Smiley bzw. ein anderes Symbol nachbilden um in schriftlicher elektronischer Kommunikation Stimmungen und Gefühlszustände auszudrücken. Stammt aus der Zeit als Internetkommunikation noch fast ausschließlich Textbasiert war. Die meisten Handys und Email-Programme interpretieren die Eingabe der Satzzeichenfolge inzwischen als grafisches Icon und bieten direkt die Verwendung über grafische Interfaces an.

6LOL, aus dem Englischen von „Laughing Out Loud“ bzw „Lots Of Laughing.

Wird synonym für Lachen oder für den Ausruf Lächerlich verwendet.

7WTF, aus dem Englischen von „What The Fuck“ Verwendung als Ausruf des Erstaunens.

8Schneider Wolf, Deutsch für Kenner – Die neue Stilkunde, Piper-Verlag, München 1996 Seite 10

9Heimes Silke, Schreib es dir von der Seele, Vandenhoeck &Ruprecht, Göttingen, 2010, Seite 45

10Heimes Silke, Schreib es dir von der Seele, Vandenhoeck &Ruprecht, Göttingen, 2010, Seite 21

11Heimes Silke, Schreib es dir von der Seele, Vandenhoeck &Ruprecht, Göttingen, 2010, Seite 26

12„Was Kinder gesagt bekommen“ ist der Titel eines Gedichtes von Bertold Brecht aus dem Jahr 1937. Der liebe Gott sieht alles. / Man spart für den Fall eines Falles. / Die werden nichts, die nichts taugen. / Schmökern ist schlecht für die Augen. / Kohlentragen stärkt die Glieder. / Die schöne Kinderzeit, die kommt nicht wieder. / Man lacht nicht über ein Gebrechen. / Du sollst Erwachsenen nicht widersprechen. / Man greift nicht zuerst in die Schüssel bei Tisch. / Sonntagsspaziergang macht frisch. / Zum Alter ist man ehrerbötig. (sic!) / Süßigkeiten sind für den Körper nicht nötig. / Kartoffeln sind gesund. / Ein Kind hält den Mund.  


Eine Nacht im Dezember

Dieser Text stammt aus dem Frühjahr 2009. Ich habe damals begonnen – geformt aus eigenen Erlebnissen aus meiner Zeit als Musiker, Geschichten die mir erzählt wurden und solchen die es zwar nie gegeben hat, die aber hätten passieren können – eine Sammlung von Kurzgeschichten zu schreiben, die sich alle um die fiktive Figur des Rocksängers Sascha „Sasch“ Müller drehen und von dessen kurzem Höhenflug und seiner Bruchlandung im Musikbusiness berichten. Dabei war mir wichtig die Freuden und die Schattenseiten des Musikerlebens mit einem Augenzwinkern darzustellen.

Eine Nacht im Dezember ist eine dieser Kurzgeschichten.

 

„Lust zu ficken?“ fragt die Kleine. Was soll man Da sagen? So direkt erwischt einen die Frage mal ganz eiskalt. Wäre nicht auch dieser harte Rockschuppen inzwischen ein Nichtraucherlokal, könnte ich lässig an meiner Zigarette ziehen und gewänne so ein paar Sekunden um mir ne coole Antwort einfallen zu lassen. Aber so…
So steht nun ein kleines Ding vor mir und kuckt mich erwartungsvoll an. Sie sieht ganz schön lässig aus. Schwarzes Oberteil, Schwarzgefärbte Haare, dunkelrotes Lipgloss und Kajal, der aussieht als wäre er mit nem Malerpinsel aufgetragen. Sie fällt definitiv nicht auf in diesem Schuppen.
Meine ähms und Stotterer kann die Kleine nicht hören. Ist viel zu laut hier drin. Also Schrei ich ihr ein JA KLAR entgegen und nehme sie bei der Hand. Wir gehen Backstage. Dort ist es ruhiger und zumindest kann ich da vor der Tür zu unserer Garderobe rauchen. Drinnen nicht. Da gibt es einen militanten Nichtraucher in der Band, der da um Rücksicht gebeten hat. Jetzt im ehrlichen Neonlicht des Flurs drängt sich mir eine Frage auf die noch zwischen mir und meinem wohlverdienten Adrenalinabbau steht.
„Wie alt bist Du eigentlich“ frage ich.
„Alt genug“ meinte sie und fragt „und Du?“
„Ich auch“ antworte ich, aber ich denke mir: „Zu alt.“
Einunddreißig, auch wenn ich grade mal wie Mitte zwanzig aussehe. Viel Kaffee und Schminke sind mein Weg zu ewiger Jugend. Unser Schlagzeuger läuft schwer bepackt an mir vorbei und meint ich könnte ihm ruhig mal helfen. Auf die Frage hab ich ne coole Antwort. Ich erwähne dass er sich sein Instrument selber ausgesucht hätte und wenn er keinen Bock auf Schleppen hat, dann solle er halt singen.
Das er das nicht kann weiß er und wir spätestens seit den Aufnahmen zu unserer letzten Platte. Er sollte da bei einem Lied eine Chorstimme beisteuern. Eine zu der man echt nicht singen können muss. Aber nach den ersten zwei Durchgängen ging unser Produzent in die Kabine um seinen Kopfhörer zu checken, weil er nicht glauben konnte, dass der Gute das selbe auf den Ohren haben kann wie wir. Er zieht beleidigt ab um den nächsten Schwung seiner Trommeln zu holen.
Ich hätte ihm auch noch vorhalten können, dass er die Schlepperei nur dem Umstand verdankt, dass sich Instrumente verstimmen würden sobald er anfängt zu singen, aber dann gebe es Morgen wieder eine Bandbesprechung auf dem Schedule und da hab ich mal wirklich keinen Bock drauf.
Als ich die Kleine grade frage wie sie heißt kommt unser Tourmanager vorbei. „Das Hotel ist in Laufreichweite“ meint er, als er mir eine Keycard in die Hand drückt. „Der Pin ist 3169“ und weg ist er. Na dann mal los. „Ich heiße Alex“ meint sie, als wir den Club durch den Hintereingang verlassen. „Ich bin Sasch“ erwidere ich, was eigentlich ziemlich unnötig ist. Schließlich hat die Kleine dreizehn Euro Eintritt bezahlt um mich zu sehen.
Das Hotel ist wirklich in Laufreichweite was mich überrascht. Ich hatte schon damit gerechnet, dass ich nach 5 Minuten Fußweg, was für mich die Grenze von Laufreichweite darstellt, doch noch ein Taxi rufen muss.
Immerhin ziehe ich einen Koffer hinter mir her in dem sich alles befindet was man zum Leben braucht. Besser gesagt, was ich zum Leben brauche: Momentan Klamotten, zwei Bücher, IPod, mein Laptop, Eine Flasche Havana Club, zwei Flaschen Cola, Schokoriegel, Kondome, Toilettenbeute, Dosenkaffee, Kaffeepads, meine Schminksachen, ein Kissen und ein Aschenbescher.
Heute werde ich nur noch den Schnaps, das Cola, die Kondome und den Aschenbecher brauchen. Denn auch in Hotels ist es mit dem Rauchen inzwischenzeit etwas schwierig geworden. Aber wenn die Dame an der Rezeption meint, das kleine Nichtraucherschild an der Tür würde mich aufhalten, dann irrt sie sich. Weniger falsch liegt sie wohl im Bezug auf das Alter meiner Begleitung und das kommentiert sie auch mit Blicken als wir das Hotel betreten. Ich lächle sie an. Ich lächle sie mit meinen schönsten „Yeah, she’s fucking a little bit more than half my age“-Lächeln an, während ich die Kleine zum Aufzug schiebe.
Im Zimmer stelle ich die Flasche Havana, das Cola und den Aschenbecher auf den Tisch der kleinen Sitzecke mit Lounge-Charakter. Zumindest soll die Ecke wohl so einen Charakter haben. Oder warum hat man ansonsten so eine doofe Kugellampe auf nehm Glaswürfel daneben gestellt. Ich verschwinde ohne Worte ins Bad und hüpfe noch schnell unter die Dusche. Morgen früh bin ich froh, wenn ich es noch vor der Abfahrt zum Frühstück schaffe. Da ist keine Zeit zum Duschen und zudem will ich der kleinen auch nicht antun beim Sex dauernd Bilder einer Bullenzucht im Kopf zu haben, ausgelöst durch intensives Geruchskopfkino.
Als ich nur mit einem Handtuch bekleidet aus dem Bad komme sitzt die kleine immer noch genauso auf der Couch wie ich sie verlassen hab. Sie nippt an ihrem Havana-Cola und ist alles andere als gesprächig. Leider hat sie auch von der Zielstrebigkeit unseres Kennenlernens ne Menge eingebüßt.
Als ich grade am überlegen bin, ob ich nicht doch noch mal in den Club gehen sollte um mich ein wenig auf der Aftershowparty rum zu treiben, steht sie plötzlich auf, geht zum Bett und beginnt sich auszuziehen. Die Aftershowparty findet nun also doch im privaten Rahmen statt.
Als ich am nächsten Morgen aufwache bin ich mal wieder allein. Die Kleine, deren Namen ich längst vergessen habe ist anscheinend ne Frühaufsteherin gewesen. Sicherheitshalber kontrolliere ich meine Besitztümer auf Vollständigkeit. Alles da. Fast alles. Ich kann mein T-Shirt nirgends finden. Das, dass ich gestern getragen hab. Es ist weg. Irgendwie schade, dass mir von ihr nur die Erinnerung an eine Nacht im Dezember bleibt. Sie hat ja zumindest ein T-Shirt…


König Zeiger

Nachfolgender Text entstand im Zuge eines Schreibwerkstatt-Seminars im Dezember 2010/Januar 2011 unter der Aufgabenstellung „Zorngedicht“. Thematik ist der Zeit- und Leistungsdruck unserer Gesellschaft.  Auch wenn die Aufgabenstellung dies nicht verlangte, so zeigt die letzte Strophe doch, was mit Wut und Zorn meist geschieht, wenn die Ratio nach kurzer Entmachtung durch die Emotionen die Herrschaft wieder übernimmt.

Magensäfte brodeln lautstark,
eine Hand zur Faust sich ballt.
Emotionen kochen über
und ein Schrei wie Donner hallt.

Menschlichkeit die nur noch wimmert,
erdrückt von falschem Leistungswahn
Geist der nicht mehr Freigeist sein darf,
so was kotzt mich wirklich an.

Unter König Zeigers Herrschaft
war ich viel zu lange Knecht.
Zorn lässt vorwärts mich marschieren.
Heut‘ verschaffe ich mir Recht.

Der Hass wetzt sorgsam seine Messer
Die Wut pflanzt Bajonette auf.
Morgen ist die Welt verändert
König Zeiger lauf lauf lauf

Mit einem Schrei marschiert der Zorn
und läuft doch letztlich an die Wand
Die Wut verraucht, die Luft riecht bitter
es bleibt gesalz’nes Seelenland


Der Füllfederhalter

Dieser Text ist in Form eines Sonetts verfast und war ebenfalls eine Aufgabe im Zuge meines Studiums im Seminar „Schreibwerkstatt. Das er sich nicht reimt war Teil der Aufgabe. Die Entstehung war – sofern ich mich recht erinnere – im November 2010.

Aus goldnem Mund lässt er tiefschwarz Wörter, Sätze fliesen
und durch dunkle Fenster sich in die Seele blicken.
Darin sieht man nur Schwärze wogen
und die Tropfen stehen für Seiten voll Gedanken.

Edles Grün wie Marmor spiegelnd und mattes Schwarz –
so gewandet überdauert er Generationen.
Wird vererbt und spricht mit des Vaters, dann mit des Sohnes Stimme.
Wie edle Geisteshaltung kommt er nicht aus der Mode

Fast scheint es, wenn er zornig spricht,
dass die Schlieren sich erregen
und Ruhe finden abermals, wenn Liebe sie bewegt.

Und wenn er seine Arbeit hat verrichtet, nimmt er seinen Hut zur Hand.
Schwarzer Zylinder mit goldenem Band
Verschließt nun seinen goldenen Mund und lässt ihn schweigen.


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